#PERFORMANCE#TANZ

SHI: SCHWUNG, POTENZIAL, FLUSS

WORKSHOP

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Zum ersten Mal unterrichtet der chinesisch- kanadische Tänzer/Choreograf Naishi Wang in Österreich beim tanz ist Festival.

Shi ist eine somatische und konzeptuelle Bewegungspraxis, die vom chinesischen ästhetischen und kampfkunstbezogenen Konzept 势 (Shi) inspiriert ist. Dieses wird oft mit Schwung, Potenzial oder Fluss übersetzt und beschreibt den energetischen Zustand, der einer Handlung vorausgeht und Bewegungen auf natürliche Weise entstehen lässt. Ausgehend von den Traditionen der chinesischen Kampfkunst, Kalligraphie, Malerei und Philosophie bezieht sich SHI nicht auf Kraft oder Anstrengung, sondern auf einen unsichtbaren Rhythmus, der Form, Raum und Wahrnehmung organisiert. Bei dieser Praxis arbeiten die Teilnehmenden mit einem schnellen Metronom bei 180 BPM im 4/4-Takt. Sie beginnen mit sanften, sich wiederholenden Kniebewegungen und ruhiger Atmung und steigen dann in einen kontinuierlichen 10-minütigen Bewegungszyklus ein. Dieser wird mehrmals mit kurzen Pausen wiederholt. Mit der Zeit wandert das Mikro-Hüpfen allmählich durch den Körper – von den Knien zu den Hüften, der Wirbelsäule, den Schultern und Armen –, wobei die rhythmische Kontinuität erhalten bleibt. So kann sich die Bewegung durch Gewichtsverlagerung, subtile Gleichgewichtsveränderungen und innere Empfindungen organisch verschieben. Anstatt Schritte oder Choreografien zu lernen, werden die Teilnehmer:innen eingeladen zu beobachten, wie sich durch Wiederholungen Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Verkörperung verändern, wie Schwung ohne bewusste Entscheidung entsteht und wie sich der Körper durch Zuhören statt durch Kontrolle neu organisiert.

Der Workshop ist sowohl für Tänzer:innen als auch für Laien zugänglich und fungiert als erprobte Form der Improvisation und verkörperten Meditation. Es ermöglicht eine tranceartige Erfahrung, die körperlich einfach, aber wahrnehmungsmäßig tief ist. In dieser Erfahrung wird Rhythmus zur treibenden Intelligenz und Bewegung entsteht eher aus inneren Zuständen als aus äußeren Formen.