#LITERATUR#SONSTIGES

DIE GESCHICHTE DER KINDERTRANSPORTE 1938/39

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In den Jahren 1938 und 1939 flohen über 10.000 Kinder und Jugendliche aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei nach Großbritannien, um der Verfolgung durch die Nazis zu entkommen. Diese als „Kindertransporte” bekannte Aktion wurde lange Zeit vorbehaltlos als humanitäre Rettung gefeiert – doch hinter den vielen Geschichten der Geretteten verbargen sich auch negative Erfahrungen. Diesem Aspekt widmet sich die Exilforscherin   Andrea Hammel (Professorin für Deutsch und Direktorin des Centre for the Movement of People an der Aberystwyth University/Wales) in ihrem Buch   The Kindertransport: What really happened   (Polity 2024), das unter dem Titel   Die schwierige Geschichte der Kindertransporte 1938/39   nach Großbritannien (Hentrich & Hentrich, 2026) in einer überarbeiteten Version auf Deutsch erschienen ist. In ihrer Präsentation zeigt Hammel die Komplexität des Themas auf: So etwa befreite die britische Regierung die jungen – zumeist jüdischen – Kindertransportflüchtlinge von der Visumspflicht, aber die Organisation und Finanzierung des Programms musste von Freiwilligen übernommen werden. Nicht nur wurde eine Garantie zur Absicherung gegen etwaige Kosten gefordert, die britische Regierung weigerte sich auch, die Eltern der Flüchtlingskinder aufzunehmen. Bei den Auswahlkriterien wurden diejenigen bevorzugt, die voraussichtlich den größten Beitrag zur britischen Gesellschaft leisten würden und nicht die dringendsten Fälle. Auch landeten einige Kinder und Jugendliche an ungeeigneten Pflegestellen, wo sie weitere Traumata erfuhren. Über ihren persönlichen Zugang zu den Kindertransporten sprechen   Beatrice Segal   und   Jacob Segal , deren Mutter, die Schriftstellerin Lore Segal (1928–2024), als 10-Jährige mit einem Kindertransport von Wien nach England fliehen konnte. Lore Segal und ihre Mutter Franzi Groszmann (1904–2005) berichteten über ihre Flucht in der Dokumentation Into the Arms of Strangers: Stories of the Kindertransport (USA/GB 2000), aus der auch ein kurzer Ausschnitt gezeigt werden wird. Moderiert wird das Gespräch in englischer Sprache mit den Geschwistern Segal und Andrea Hammel von Veronika Zwerger (Leiterin der Österreichischen Exilbibliothek).

Buchpräsentation auf Deutsch: Andrea Hammel 
Gespräch auf Englisch: Andrea Hammel, Beatrice Segal und Jacob Segal 
Moderation: Veronika Zwerger