#AUSSTELLUNG#KUNST

MARIANNA SIMNETT - CIRCUS

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In der Secession präsentiert Marianna Simnett Circus, eine multimediale Ausstellung von Licht-, Klang- und skulpturalen Arbeiten, die auf ihre jugoslawische Herkunft verweisen. Persönliche Bezüge, darunter eine von den Erfahrungen ihres jüdisch-kroatischen Großvaters während des Holocaust inspirierte Arbeit, begegnen Anspielungen auf weibliche Gestalten aus Volkssagen, die sowohl als Bedrohung als auch als Verbündete auftreten können, und dem traditionellen Trachtenrock vom Balkan, der das zarte Spiel des Enthüllens und Verbergens intimer Körperteile inszeniert. Der in der Ausstellung thematisierte Circus kommt in der Präsentation auf vielfältige Weise zum Ausdruck: im manischen Kreisen eines Rocks unter der Decke, der an ein Zirkuszelt erinnert, in einer Bühne für eine Performance, im Klang gequälten Gelächters oder in blendenden Lichtern, die einen abgedunkelten Raum erhellen.

Simnetts Praxis befasst sich konsequent mit intensiven körperlichen Zuständen – Urinieren, Ohnmacht, dem Gefühl, gekitzelt zu werden –, die sie in einer Untersuchung von Lust und Schmerz erkundet. Die Künstlerin, die während der Jugoslawienkriege als Tochter einer kroatischen Mutter in Großbritannien aufwuchs, erinnert sich an eine wiederkehrende Fantasie: eine urinierende Figur mit Ähnlichkeiten zu einer Frauengestalt aus der Folklore, die ihren Rock hebt, um ihre Genitalien zu entblößen und so böse Geister abzuwehren. In Neonlicht umgesetzt, oszilliert sie zwischen Provokation und Verteidigung, zwischen Abscheulichkeit und Handlungsmacht. Neon leuchtet nicht nur, es dringt ein. Es schreit, verlangt Aufmerksamkeit und hebt Distanz auf. In Anlehnung an das Erbe von Bruce Naumans Neonarbeiten wird in Simnetts Fountain (2026) Licht zu einem eigenständigen Körper – einem, der die Betrachtenden anspricht, aufwühlt und physisch in Beschlag nimmt.