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MICHAEL KÖHLMEIER - HOMERS ODYSSEE

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​Homers Ilias ist ein Heldenepos. Mehr: Sie ist die Urform dieser Gattung. Die Odyssee ist komplizierter, und das nicht nur im Aufbau. Es gibt Argumente, die nahelegen, sie einen Roman zu nennen. Einen Eheroman vielleicht? Durchaus. Die Vorgeschichte der Odyssee zeichnet vom Protagonisten ein alles andere als positives Bild. Odysseus will sich vom Krieg, den er anzettelte, drücken, er lässt den kranken Philoktet auf einer Insel aussetzen und am Ende des Krieges befiehlt er, Astyanax, den kleinen Sohn des Hektor, zu töten. Dennoch hat Homer diesen Mann zum Helden seines späten Epos’ gemacht. Die Odyssee ist auch der Versuch, Odysseus zu rehabilitieren. Er ist der treueste untreue Ehemann der Literaturgeschichte. Aus Liebe zu seiner Frau Penelope verzichtet er auf das ewige Leben bei ewiger Manneskraft, obwohl er erfahren hat, was für ein entsetzlich langweiliges Dasein die Toten im Hades führen. (Michael Köhlmeier)
(Pressetext)

Michael Köhlmeier, 1949 in Hard am Bodensee geboren, lebt in Hohenems/Vorarlberg und Wien. Bei Hanser erschienen die Romane Abendland (2007), Madalyn (2010), Die Abenteuer des Joel Spazierer (2013), Spielplatz der Helden (2014, Erstausgabe 1988), Zwei Herren am Strand (2014), Das Mädchen mit dem Fingerhut (2016), Bruder und Schwester Lenobel (2018) und zuletzt Matou (2021), außerdem die Gedichtbände Der Liebhaber bald nach dem Frühstück (Edition Lyrik Kabinett, 2012) und Ein Vorbild für die Tiere (Gedichte, 2017) sowie die Novelle Der Mann, der Verlorenes wiederfindet (2017) und Die Märchen (mit Bildern von Nikolaus Heidelbach, 2019). Michael Köhlmeier wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. 2017 mit dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie dem Marie Luise Kaschnitz-Preis für sein Gesamtwerk und 2019 mit dem Ferdinand-Berger-Preis.