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NEUROTOPIAS

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Participating Artists: Oleksandr Halishchuk, Lo Moran, Alina Pust, Kathi Sylvest & Jakob Liu Wächter
Curated by: Barbora Horská
Assistant Curator: Ola Plankenauer
Visual Designby Ale Zapata
Accessibility Design: Sabrina Haas


Neurotopias ist die siebte Ausgabe von Improper Walls’ Initiative zur Beteiligung am „Mental Health Awareness Month“. Die jährliche Ausstellung samt begleitendem öffentlichen Programm nutzt künstlerische Mittel, um offene Diskussionen über häufig stigmatisierte Themen, deren tiefere Zusammenhänge sowie ihre gesellschaftspolitischen Auswirkungen anzuregen. In diesem Jahr wurden Künstler:innen über einen Open Call eingeladen, darüber nachzudenken, wie eine wirklich zugängliche Gesellschaft aussehen könnte – materiell, sozial und infrastrukturell. Dabei stellen sich Fragen wie: Welches Wirtschaftssystem könnte Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten gerecht werden und zugleich mehr-als-menschliche Bedürfnisse berücksichtigen? Wie können wir füreinander Sorge tragen, ohne Probleme zu pathologisieren oder ihre Existenz zu leugnen? Wie würden unsere Umgebungen – unsere Wohnungen und Städte – aussehen, wenn wir sie aus feministischen, behindertenpolitischen und neurodiversen Perspektiven gestalten?

Während die Arbeiten der daraus entstandenen Ausstellung dem Publikum unterschiedliche Zugänge bieten, um den Status quo neu zu denken, zeugt die Ausstellung selbst zugleich von dessen gegenwärtigen Begrenzungen. Das Format eines Open Calls, das eigentlich Diversität gewährleisten soll, scheitert daran, den Teilnehmenden aufgrund szeneweiter Budgetkürzungen faire Honorare und Produktionsunterstützung für ihre Arbeiten bieten zu können. In einem ohnehin prekären Kulturbetrieb bestimmt eine solche Situation, wer überhaupt teilnehmen kann – und damit auch, wessen Erfahrungen und Perspektiven repräsentiert werden.

Darunter liegt zudem die Ebene des Themas selbst: Auch wenn das Ziel darin besteht, das Konzept von „Normalität“ zu dekonstruieren und Pathologisierung infrage zu stellen, wird der Diskurs über Neurodiversität weiterhin von weißen Stimmen und Erfahrungen dominiert. Sowohl Sprache als auch Konzept sind stark an westliche Psychiatrie gebunden und historisch – insbesondere in Österreich – mit der Eugenik verknüpft, einer einst im gesamten politischen Spektrum verbreiteten „Wissenschaft“.