Künstler*innen: Davide Allieri, Mila Balzhieva, Evelina Hägglund, Femke Herregraven, Miriam Kongstad, Sahej Rahal, Andreia Santana, Siggi Sekira, Marianne Vlaschits.
Das Gefühl, etwas „auf der Zunge liegen zu haben“, kann beunruhigend sein: Die Welt scheint stillzustehen – nur für einen Moment, und doch fühlt es sich an wie eine Ewigkeit. Unter dem Druck, weiterzusprechen, erstarren auch wir. Wir greifen nach Gedanken, murmeln zögerlich und formen stumm mögliche Wörter in unserem Mund. Keines scheint wirklich passend. Dann, irgendwann, stellt sich in der Regel das fehlende Wort ein: Es füllt die Lücke, glättet den Austausch und ermöglicht dem Erzählfluss – und mit ihm der Welt, die er produziert – seine Fortsetzung. In solchen Momenten entpuppt sich das gesuchte Wort oft als ein vertrautes – eines, das dazugehört und uns versichert, dass auch wir dazugehören.
Es gibt jedoch auch andere Situationen, in denen wir in der Stille gefangen sind, nicht auf der Suche nach vertrauten Worten, sondern nach überhaupt irgendwelchen. Momente, in denen die vorhandene Sprache – mit ihrem normierten Tempo und ihren starren Begriffssystemen – uns im Stich lässt: weil das, was wir ausdrücken wollen, zu intensiv oder zu komplex ist, oder weil die Welt, die wir zu beschreiben versuchen, bereits ausgelöscht wurde oder noch gar nicht existiert.
On a tongue’s tip, at a world’s lip nimmt diesen Moment der unterbrochenen Erzählung – der Pause zwischen Worten – als Metapher für ein Interregnum zwischen Welten. Innerhalb dieser Lücke sucht die Ausstellung nach Möglichkeiten anderer Formen des Weltbezugs und fragt, welche alternativen Wege des Verstehens und In-Beziehung-Tretens in diesem ungezähmten Terrain liegen könnten.
(Pressetext)